Chrain selber machen: Meerrettich und Rote Bete fermentieren

· von Tao Park · 4 Min. Lesezeit

Chrain selber machen: Meerrettich und Rote Bete fermentieren

Chrain fermentieren: Das feurige Relish aus Osteuropa selbst herstellen

Chrain ist eines dieser Gerichte, die man entweder liebt oder beim ersten Löffel die Luft anhält. Das traditionelle, feurige Condiment aus Osteuropa besteht aus geriebenem Meerrettich und Roter Bete, zwei Zutaten, die zusammen eine erstaunliche Wucht entfalten. Wird die Mischung zusätzlich milchsauer fermentiert, verwandelt sich die scharfe Paste in etwas noch Komplexeres: ein lebendiges Gewürz mit probiotischem Mehrwert, das zu Gefilte Fisch, geräuchertem Fleisch, Eiern oder einfach aufs Brot passt. Wie die Fermentation gelingt, worauf es wirklich ankommt und welche Fehler man besser vermeidet, zeige ich dir hier Schritt für Schritt.

Was ist Chrain überhaupt?

Chrain, manchmal auch Chrein oder Khrain geschrieben, stammt aus der jüdisch-aschkenasischen und osteuropäischen Küche. Klassischerweise wird roher Meerrettich mit Roter Bete, etwas Essig, Salz und Zucker vermengt, heraus kommt ein scharfes, erdig-süßes Relish, das auf keinem Pessach-Tisch fehlt. Die fermentierte Variante geht einen anderen Weg: Statt zugesetztem Essig sorgt die natürliche Säure der Milchsäuregärung für den Kick. Das Ergebnis schmeckt runder, tiefer, lebendiger, fast schon ein bisschen wild.

Warum Chrain fermentieren statt einfach einlegen?

Zutaten für fermentierten Chrain

Für ein mittleres Glas (etwa 500 ml) brauchst du:

Ein Tipp aus Erfahrung: Nimm wirklich frischen, festen Meerrettich. Je frischer die Wurzel, desto schärfer und aromatischer wird am Ende dein Chrain, ein altes, schon leicht weiches Stück bringt einfach nicht mehr die Power.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Meerrettich und Rote Bete waschen, schälen und mit einer Küchenreibe oder Küchenmaschine grob raspeln. Am besten draußen oder bei weit geöffnetem Fenster arbeiten, frisch geriebener Meerrettich brennt in Augen und Atemwegen, das kennt man sonst nur vom Zwiebelschneiden, nur eine Stufe intensiver.
  2. Salzen: Beide Gemüse in einer großen Schüssel mischen, Salz zugeben und kräftig durchkneten, bis Flüssigkeit austritt. Eine Ruhezeit von 10 bis 15 Minuten hilft dabei enorm.
  3. Einfüllen: Die Mischung samt ausgetretenem Saft in ein sauberes Fermentierglas füllen. Alles muss komplett von Flüssigkeit bedeckt sein, notfalls einfach etwas Rote-Bete-Saft nachgießen.
  4. Beschweren: Ein Gärgewicht oder ein sauberes Kohlblatt als Deckel hält das Gemüse zuverlässig unter der Flüssigkeit, so hat Schimmel kaum eine Chance.
  5. Fermentieren: Glas mit Gärdeckel verschließen oder den Deckel nur locker auflegen, dann bei 18 bis 21 °C für 5 bis 10 Tage stehen lassen. Täglich kurz reinschauen: Blubbern die Bläschen? Riecht es noch gut?
  6. Probieren: Ab Tag 4 lohnt sich tägliches Kosten. Sobald Säure und Schärfe passen, einfach ins Glas umfüllen und in den Kühlschrank stellen.

Woran erkennst du, dass die Fermentation gelungen ist?

Häufige Fragen

Wie scharf bleibt der Meerrettich nach der Fermentation? Die Schärfe lässt ein wenig nach, bleibt aber deutlich spürbar. Die Milchsäure rundet sie eher ab, als dass sie sie zerstört, du schmeckst also immer noch, dass es Meerrettich ist.

Wie lange ist fermentierter Chrain haltbar? Im Kühlschrank, gut verschlossen, hält er problemlos 2 bis 3 Monate, oft sogar länger. Salz und Säure wirken da wie eine natürliche Versicherung.

Kann ich Zucker oder Essig trotzdem hinzufügen? Klar, kein Problem. Nach der Fermentation kannst du geschmacklich mit etwas Honig oder Apfelessig nachjustieren, das ist am Ende reine Geschmackssache und jeder Haushalt hat da sein eigenes Rezept.

Welches Gefäß eignet sich am besten? Weithalsgläser aus Glas mit Gärdeckel oder Airlock-System funktionieren am zuverlässigsten. Sie lassen Gase entweichen, ohne dass Sauerstoff von außen hineingelangt, genau das Gleichgewicht, das die Fermentation braucht.

Fazit

Fermentierter Chrain bringt drei Dinge zusammen, die eigentlich perfekt harmonieren: die scharfe Kraft des Meerrettichs, die erdige Süße der Roten Bete und den lebendigen, leicht säuerlichen Charakter der Milchsäuregärung. Mit nur drei Zutaten, etwas Geduld und sauberer Arbeitsweise entsteht ein probiotisches Condiment, das klassische Gerichte aufwertet und sich auch wunderbar als Mitbringsel aus der eigenen Küche eignet. Wer das einmal selbst gemacht hat, wird zur abgepackten Supermarktversion kaum noch zurückgreifen wollen, zu groß ist der Unterschied im Geschmack.

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