Nocino selber machen: Grüne Walnüsse vor Johanni ernten

· von Maya Iyer · 3 Min. Lesezeit

Nocino selber machen: Grüne Walnüsse vor Johanni ernten

Nocino ist dieser dunkle, würzig-bittere italienische Likör aus unreifen, grünen Walnüssen, den man traditionell rund um den Johannistag am 24. Juni ansetzt. Wer ihn selbst machen will, sollte sich vor allem eines gut einprägen: das Erntefenster ist knapp bemessen. Verpasst man es, wird das Ergebnis entweder bitter oder es fehlt schlicht das Aroma, das Nocino ausmacht. In diesem Artikel geht es darum, wann und wie man grüne Walnüsse richtig verarbeitet, was beim Ansetzen chemisch und praktisch passiert und welche Fehler man sich sparen kann.

Warum das Timing vor Johanni so wichtig ist

Der Brauch verlangt, die Walnüsse in der Nacht auf den 24. Juni zu pflücken. Angeblich, weil sie zu diesem Zeitpunkt besonders reich an ätherischen Ölen und Gerbstoffen sind. Klingt nach Aberglaube, steckt aber ein handfestes biologisches Zeitfenster dahinter:

Der praktische Test dafür braucht keine Ausrüstung: Nadel oder Messerspitze in die Nuss stechen. Geht sie mühelos durch und ist das Innere komplett weich, ist genau der richtige Moment.

Was man für Nocino braucht

Zutaten (für ca. 1 Liter):

Vorgehen:

  1. Walnüsse gründlich waschen und trocknen lassen.
  2. Jede Nuss vierteln oder achteln, nicht nur halbieren, sonst zieht das Aroma zu langsam und zu wenig heraus.
  3. Nüsse zusammen mit den Gewürzen in ein großes Einmachglas geben.
  4. Mit Alkohol übergießen, bis wirklich alles bedeckt ist.
  5. Glas verschließen und an einen sonnigen, warmen Platz stellen, zum Beispiel eine Fensterbank oder die Terrasse.

Die Fermentations- und Reifephase

Anders als bei den meisten Ansätzen wird Nocino nicht kühl und dunkel gelagert, sondern absichtlich Sonne und Wärme ausgesetzt. Das treibt die Extraktion der Gerbstoffe voran und lässt die Flüssigkeit über die Wochen von hellbraun zu fast tiefschwarz nachdunkeln.

Zucker einarbeiten und abfüllen

Nach dem Abseihen den Zucker in etwas warmem Wasser zu einem Sirup auflösen und unter den Walnussauszug rühren. Die Mischung kommt in dunkle Flaschen und braucht dann nochmal mindestens 2–3 Monate Ruhe, im besten Fall bis Weihnachten. Nocino wird mit der Zeit runder und weicher, viele schwören darauf, dass er nach einem Jahr Lagerung um Welten besser schmeckt als frisch abgefüllt.

Häufige Fragen

Kann man auch später im Jahr geerntete Nüsse verwenden? Nein. Sobald die Schale hart geworden ist, taugt die Nuss höchstens noch für normale Walnusskerne, für Nocino ist sie dann durch.

Ist der Likör auch ohne genaue Alkoholgehalt-Angabe sicher? Ja, solange hochprozentiger Alkohol mit mindestens 38–40 % zum Einsatz kommt, ist die Mischung mikrobiologisch stabil. Eine separate Gärung braucht es nicht, es handelt sich hier um eine Mazeration, keine Fermentation im eigentlichen Sinn.

Wie schmeckt fertiger Nocino eigentlich? Bittersüß, mit Noten von Nelke, Zimt und Karamell, dazu eine leicht adstringierende, walnussige Tiefe. Vergleichbar mit einem Amaro, nur intensiver und erdiger.

Fazit

Bei Nocino entscheiden Geduld und ein präzise getroffenes Erntefenster über Erfolg oder Enttäuschung. Wer die grünen Walnüsse rechtzeitig rund um Johanni pflückt, sie ordentlich zerkleinert und dem Ansatz genug Zeit in Sonne und Reife gönnt, bekommt im Winter einen der aromatischsten hausgemachten Liköre, die Italien zu bieten hat.

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